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Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.     Johannes 15,13





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FRAUENRAT 2009 in Dorfweil

Das erste Mal beim Frauenrat –

persönliche Eindrücke vom Frauenrat 20.-24.Feb. 2009 in Dorfweil

 

Als ich mich von meinen Frauenwerk-Mitstreiterinnen im Landesverband Baden-Württemberg überreden lasse, mich zum Frauenrat anzumelden, habe ich keine klare Vorstellung, was darunter zu verstehen ist. Es ist ein Rat, also gehe ich davon aus, dass man sich dort berät und wichtige Entscheidungen trifft, und das Thema „Zukunfts(t)räume“ lässt vermuten, dass hier Weichen gestellt werden sollen für die künftige Entwicklung des Frauenwerks. Das klingt interessant, denn auch meine Frauenarbeit vor Ort braucht immer wieder Zukunfts(t)räume.

Es sind insgesamt ca. 80 Frauen, die in der Familienferienstätte Dorfweil zusammenkommen, wobei nicht alle von Freitag bis Dienstag teilnehmen. Einige reisen später an oder früher ab oder sind nur an einzelnen Tagen als Gäste da. Viele Gesichter begegnen mir in diesen Tagen – alt und jung, angespannt und unbeschwert, offen und zurückhaltend. Zunächst sind sie mir alle fremd, doch schon nach kurzer Zeit entsteht ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Verbundenheit. Es ist unmöglich, mit allen zu reden, zumal das Programm sehr dicht gedrängt ist und hauptsächlich aus Vorträgen, Berichten, Begrüßungen, Verabschiedungen, Statements und Informationen besteht, die von vorne präsentiert werden. Daraus lerne ich, dass der Frauenrat weniger berät, als von Beratungen in Kenntnis gesetzt wird, die in kleineren Gremien, vor allem dem Vorstand, bereits geschehen sind. Die gemeinsamen Kaffeepausen und Essenszeiten sind eine Möglichkeit, wenigstens zeitweilig miteinander ins Gespräch zu kommen, und der stetig steigende Lärmpegel im Speisesaal ist Zeugnis dafür, dass diese Möglichkeit genutzt wird. Auch am Abend, als das offizielle Programm zwischen 21 und 21.30 Uhr zu Ende ist, sitzen viele Frauen noch in der Cafeteria oder in den Wohnzimmern der einzelnen Appartements zusammen und unterhalten sich angeregt.

Den Teilnehmern wird viel Sitzfleisch und Konzentration abverlangt in diesen Tagen. Doch es gibt auch berührende und anregende Elemente, die neu beleben: Gleich bei der ersten Begrüßung erzählt Dagmar Kersting, die im Lauf der Tagung als erste Vorsitzende von Elisabeth Kapsreiter abgelöst wird, dass ein Vorbereitungsteam über dem Namen jeder einzelnen Teilnehmerin gebetet hat. Die Botschaft erreicht direkt mein Herz: „Ich werde erwartet. Ich bin willkommen.“ Das tut gut. Genauso wohltuend sind die gemeinsamen Lieder, die uns innerlich und manchmal auch äußerlich in Bewegung bringen und auf Gott ausrichten. Zur guten Nacht leitet Gaby Löding einen meditativen Tanz an, der uns miteinander verbindet und Freude macht. Erfrischend ist die Niederländerin Wies Dijkstra, die Vorsitzende der europäischen baptistischen Frauenvereinigung EBWU, die uns mit unwiderstehlichem Charme zum Kauf der von ihr mitgebrachten EBWU-Schals überredet und im Abschlussgottesdienst alle Herzen mit ihren tief empfundenen Segensgebeten berührt. Einfühlsam spricht Leni Schüttel über einige Verse aus dem ersten Kapitel des Buches Rut. Mit Tüchern und anderen Materialien hat sie Rut-, Noomi- und Orpa-Stationen am Boden gestaltet und lädt uns ein, dort eine Weile innezuhalten und den drei Frauengestalten innerlich nachzuspüren. So manche Träne fließt in diesen stillen Minuten und auch später, als wir uns gegenseitig segnen und salben. Eine Herausforderung für Verstand und Phantasie ist die Gruppenarbeit, in die Bärbel Boy uns in der Zukunftswerkstatt schickt. Hier versuchen wir Modelle miteinander zu entwickeln, wie Frauenarbeit in sechs Jahren aussehen könnte.

Diese Streiflichter und persönlichen Eindrücke können nur einen kleinen Einblick in die Fülle des Programms geben. Weitere wesentliche Bestandteile des Frauenrats sind die Wahl eines neuen Vorstands und das rauschende Abschiedsfest für Dagmar Kersting und Anne Körner, die als erste und zweite Vorsitzende aus dem Vorstand ausscheiden. Ein leider wenig beachtetes Referat von Bettina Weidenbach über zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen, flott dargebotene Informationen über Veränderungsprozesse von Michael Noss und Bärbel Boy, vielfältige wertvolle Zukunftsvisionen für die Frauenarbeit von Vertretern anderer Freikirchen und anderer baptistischer Arbeitszweige und ein Abendmahlsgottesdienst mit einer engagierten Predigt von Doris Schulte geben uns ebenfalls viel Nachdenkenswertes mit auf den Weg.

Der eigentliche Kern der Tagung, der Höhepunkt, der von Anfang an dank geheimnisvoller Andeutungen mit Spannung erwartet wird, ist die Vorstellung einer Zukunftsvision vom Frauenwerk, die ein kleiner Arbeitskreis entwickelt hat. So soll von nun an der Gedanke eines Netzwerks im Vordergrund stehen, in dem verschiedene Organisationen, Gruppierungen und Kirchen sich gemeinsam für das Wohlergehen von Frauen einsetzen. „Hinsehen, hingehen, aufrichten“ wird als neues Motto präsentiert. Wer sich dieser Zukunftsvision anschließen möchte, kann dies mit einem äußeren Zeichen tun, indem er nach vorn kommt und sich einen Kugelschreiber mit dem neuen Motto holt. Alle nehmen das Angebot wahr und drücken damit ihre Bereitschaft aus, sich miteinander auf den Weg zu machen. Immer noch setzt die Liebe Christi uns in Bewegung, auch wenn dies nun nicht mehr der Leitsatz des Frauenwerks ist. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich das Frauenwerk weiter entwickelt!

Was nehme ich persönlich mit vom Frauenrat? Die Erinnerung an viele Begegnungen mit einzigartigen Frauen, jede mit ihrer eigenen Geschichte und vielfältigen Begabungen – was für ein großartiges Potenzial hat Gott mit ihnen zur Verfügung, um sein Reich zu bauen! Viele wertvolle Impulse aus Referaten und Gesprächen, die mich neu motivieren, mich vor Ort und überregional für Frauen einzusetzen. Einen neuen Blick für die Vielschichtigkeit und Verzweigtheit der Frauenarbeit in Deutschland, in Europa und weltweit. Das Gefühl, in etwas Größeres eingebunden zu sein und Anteil daran zu haben.

Ich habe diese anstrengenden schönen Tage als große Bereicherung erlebt, von der ich lang zehren werde. Und beim nächsten Frauenrat in drei Jahren werde ich gern wieder dabei sein!


Ulrike Chuchra

Mitarbeiterin im Frauenwerk aus dem Landesverband Baden-Württemberg

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