Frauenwerk im Bund Evangelisch
Freikirchlicher Gemeinden
in Deutschland K.d.ö.R.

Monatsspruch

Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt - aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.

1.Korinther 10,23-24

 

Weil der 1. Frauenkongress 2010 in Berlin großen Zuspruch fand:
Begegne Gott
und entfalte Dich!

Wochenende für Begegne Gott und entfalte Dich! - Wochenende für FrauenFrauen
17. - 19. Februar 2012
in Hofgeismar

Nachrichten aus dem Frauenwerk

„Kein Kaktus hat so viele Stacheln, dass nicht auch eine Blüte darauf Platz hat.“
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 Seminar „jung Verwitwete mit und ohne Kinder“ 2010

Das Thema für die Erwachsenen lautete: „Kein Kaktus hat so viele Stacheln, dass nicht auch eine Blüte darauf Platz hat.“ Die Kinder hatten, parallel zu den Erwachsenen, ihr eigenes Programm: Jeden Vormittag, nachmittags zwei Stunden und jeden Abend.
Inhaltlich haben wir uns an den Vormittagen mit den Erwachsenen verschiedene Trauerphasen angeschaut, die nach einem Trauerfall auftreten können. Dabei wurde immer wieder betont, dass es keine fest stehende Reihenfolge gibt und auch kein Zeitfenster – jeder trauert individuell, bei dem einen geht es schneller, bei einem anderen langsamer, manche durchleben bestimmte Phasen öfter, andere überspringen auch mal eine Phase. Nach dem eher theoretischen Teil, haben wir zwei Gruppen gebildet, um persönlich ins Gespräch zu kommen und die eigene Situation reflektieren zu können.

An den Nachmittagen waren praktische Übungen eingeplant. So wurde z.B. ein gemeinsamer Spaziergang unternommen, mit der Aufgabe, einen Stein zu finden, der die momentane Situation darstellt. In einer anschließenden Runde konnte jeder Teilnehmer, seinen Stein erklären und ihm einen „Namen“ geben. Anschließend bestand die Möglichkeit den Stein symbolisch unter ein Kreuz abzulegen und somit die eigene Situation (das Problem etc.) an Gott abzugeben und dies auch laut auszusprechen.
Am zweiten Nachmittag wurde, wieder nach einem Spaziergang, mit verschieden großen und schweren Sandsäcken gearbeitet (KBT=kommunikative Bewegungstherapie). Diese standen symbolisch für die Lasten, die jeder mit sich herum trägt. So wurde in einer etwas spielerischen Art und Weise deutlich, der eigene Umgang mit Lasten deutlich: ist man bereit sie auch mit anderen zu teilen; lässt man sich von anderen welche aufladen, obwohl man selber schon genug hat; wie schwer darf die Last sein, die ich bereit bin zu tragen etc. Anschließend gab es wieder eine Austauschrunde, wie es jedem damit gegangen ist, bzw. was ihm neu deutlich geworden ist.

Die Abende waren sehr unterschiedlich gestaltet: Ein sehr intensiver Begrüßungsabend, wo schon jede(r) sehr persönlich über den Todesfall erzählt hat. Ein Abend über eher praktische Anliegen: Welches Amt kann man für welche Gelder in Anspruch nehmen; wo kann man mit Kindern gut Urlaub machen; wie und wo kann man am besten eine Kur machen etc. Und ein Stilleabend, wo man kreativ sein konnte oder noch mal etwas aufschreiben oder mit Gott sprechen konnte. Parallel dazu waren wir drei Mitarbeiter für Gespräche und Gebet bereit, was auch in Anspruch genommen wurde.

Die Teilnehmer der Gruppe befanden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen und Phasen: Zwei hatten die Trauer schon sehr gut durchlebt und waren auch bereit für Neues, evtl. auch eine neue Partnerschaft, andere waren noch dichter dran an dem Todesfall (einige Wochen, bzw. wenige Monate), so dass sie noch sehr am Anfang der Trauer standen.  Auch der geistliche Hintergrund war verschieden: EFG, FeG. Landeskirchliche Gemeinschaft, röm.katholisch, evangelische Brüdergemeinde, Freie Christengemeinde etc.

Als Mitarbeiter haben wir immer wieder betont, wie wichtig es ist, sich Zeit zum Trauern zu nehmen, nicht zu verdrängen oder sich durch viel Arbeit abzulenken. Dass es aber auch wichtig sei, irgendwann „loszulassen“, um offen für Neues zu werden, auch für eine neue Partnerschaft. Es wurde aber abgeraten, eine Partnerschaft zu früh einzugehen, ohne den eigenen Schmerz bearbeitet und losgelassen zu haben.
Von den Teilnehmern kamen bei der Abschiedsrunde und auf den Auswertungsbögen sehr viele positive Rückmeldungen. Ihnen hat es gut getan, mit anderen Betroffenen auszutauschen und sich verstanden zu fühlen und gute Impulse zu bekommen, wie sie mit ihrer Trauer konstruktiv umgehen können. Fast alle haben das so ähnlich formuliert: „Es tut gut, in einer Gemeinschaft mal nicht der „Exot“ zu sein, sondern zu erleben, die anderen verstehen, was ich erzähle!“

Für die Kinder waren die Tage ebenfalls eine gute Zeit. Mit ihnen haben wir am ersten und am letzten Tag eine halbe Stunde gemeinsam gestaltet. Sie waren in zwei Gruppen eingeteilt 1,5-3 Jahre und 7-14 Jahre). Mit den großen Kindern wurde, neben allem spielen und basteln, u.a. auch der Tod des Elternteils thematisiert,

Ich persönlich fand die Tage sehr bereichernd. Mich hat beeindruckt, wie Einzelne, mit Gottes Hilfe, diese schwierige Lebenslage dabei sind zu meistern. Am intensivsten habe ich das „Steineabgeben“ ans Kreuz empfunden. Obwohl es eine freiwillige Aktion war, hat jede(r) mit gemacht und man hat gespürt, dass es nicht nur eine Übung war, sondern ein wirkliches Lastenabgeben an Gott. Mich hat auch beeindruckt, als Einzelne in Gesprächen zwischendurch, erzählt haben, wie kreativ Gott mit ihnen umgegangen ist, um sie zu trösten. Andere haben aber auch genauso erzählt, wie sie sich von Gott und Menschen verlassen gefühlt haben. Wieder andere haben ihre Anklagen und Fragen an Gott ehrlich beim Namen genannt.

Uns allen, Mitarbeiter und Teilnehmern, ist am Ende des Seminars positiv aufgefallen, dass es keine niederdrückenden Tage waren. Obwohl wir ja über eher Niederdrückendes sehr direkt und ehrlich gesprochen haben, war die Atmosphäre durchgehend positiv und angenehm. Neben allem Trauern und Weinen, war auch Raum für Lachen und Fröhlichsein. Man hat etwas von der Hoffnung in allem Leid gespürt, die Gott nur geben kann.
Wir alle waren einstimmig der Meinung, dass dieses Angebot unbedingt wiederholt werden sollte, da es in diesem Bereich wenig christliche Angebote gibt und gerade Gott doch ein Gott des Trostes ist und versprochen hat, sich um Witwen und Waisen zu kümmern.
Da wir in Deutschland auch keine „Trauerkultur“ haben, fühlen sich Betroffene oft sehr hilflos und allein gelassen in ihrer Trauer. Zum einen weil das Umfeld (auch christliche Kirchengemeinden) oft sehr unsicher reagiert, sich vielleicht zurückzieht oder sogar mit Unverständnis reagiert, wenn der Trauernde nach einigen Monaten „immer noch“ mal über den Verlust des Partners weint. Zum anderen, weil Trauernde oft gar nicht wissen, wie sie ihrer Trauer einen angemessen Ausdruck geben können, da man bei uns in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht trauert, man also auch keine „Vorbilder“ hat von denen man lernen könnte.

Ich bin Gott dankbar für das Durchtragen von uns Mitarbeitern und für eine sehr positive, intensive Zeit mit den Teilnehmern.

Fulda, 09.06.2010   Claudia Deppner

Teilnehmer: 4 Männer, 8 Frauen, 13 Kinder (1,5 - 14 Jahre)
Mitarbeiter: Claudia Deppner (Leitung), Simone Anett Lutz, Dr. Martin Steinbach und 4 Kindermitarbeiterinnen
Zeit: 21.05.- 24.05. 2010
Ort: Haus Sonneck, Marburg

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