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Ein strahlender Samstagmorgen am Ortsrand der kleinen Stadt Acós in der ehemals zu Ungarn gehörenden Region, nun Rumänien zugeordnet. Schnell hatten wir auf dieser Reise begriffen, dass zu den Ortsteilen, in denen die Zigeuner leben, keine geteerten Straßen mehr führen. So erreichten wir dann auch in Schrittgeschwindigkeit wegen der vielen Löcher auf staubtrockenem Weg die Baptistengemeinde, in der die 8. Zigeunerkonferenz für Frauen stattfinden sollte. Mit Bussen, Pferdegespannen und wenigen Autos kamen ca. 300 Frauen jeden Alters, sichtbar feingemacht, aus zahlreichen kleinen Gemeinden im Umkreis von über 100 km zusammen.

Ein kurzer Rückblick zur Entstehungsgeschichte dieser Veranstaltung. 2003 fand in Kroatien die Konferenz der europäischen Leiterinnen statt und das Ehepaar Vekas nahm daran ebenso teil wie Dagmar Kersting, damals erst kurz im Amt als 1. Vorsitzende des deutschen Frauenwerkes. Das Pastorenehepaar Vekas stand seit 10 Jahren in einer aufblühenden missionarischen Arbeit unter Zigeunern und hatte den starken Eindruck, dass für die Frauen ein überregionales gemeinsames Treffen eine große Ermutigung wäre und die Vertiefung des Glaubens fördern würde. Aber wie so ein Treffen finanzieren? Sie schilderten dieses Anliegen Dagmar Kersting und diese gab es beim nächsten Vorstandstreffen weiter. So kam es, dass erstmals 2004 eine Spende des deutschen Frauenwerkes nach Rumänien zweckgebunden hierfür weitergeleitet wurde und damit Busse für den Transport und das Mittagessen finanziert werden konnten. Diese Konferenz wurde von Beginn an ein großer Erfolg und ist für die Frauen zu einem jährlichen Höhepunkt ihrer Gemeinschaft geworden.
Zurück nach Acós. Das gesamte Leitungsteam der nationalen Frauenarbeit war versammelt und bat Gisela Bullermann und mich vor Beginn des Programms zu einer Gebetsgemeinschaft. Als wir danach den Versammlungsraum betraten, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Alle Stühle waren bereits besetzt und die Frauen standen noch in Scharen vor dem Eingang. In aller Eile wurden Bänke organisiert und in den schmalen Gängen längs gestellt; alle rückten mit den Stühlen eng zusammen und auch im Altarbereich wurden Sitzgelegenheiten geschaffen.
So ziemlich das einzig typisch baptistische Element war dann die Begrüßung, bei der die Frauen aus den jeweiligen Gemeinden geschlossen aufstanden und sich vorstellten. Allerdings ohne Applaus, den gab es während des ganzen Tages nicht; diese Ausdrucksform ist den Geschwistern fremd. Gisela hat unsere Reise in ihrem Bericht sehr lebhaft geschildert und ich hoffe, die Leser etwas in die Konferenz mit hineinnehmen zu können. Unmöglich ist aber zu schildern, wie sehr wir von der Musik und den Liedern berührt worden sind. Die Zigeuner haben ihre eigene Sprache und ein Liedgut, in dem die ganze Sehnsucht eines Volkes enthalten ist, das geprägt ist von Heimatlosigkeit und Ausgrenzung. Ich wurde den ganzen Tag immer wieder an den Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco“ erinnert. Fast 300 Frauen, begleitet von schluchzenden Geigen, dicht gedrängt in einem Raum und voller Hingabe diese Art von Liedern gesungen; das war wie ein Flug zum Himmel und wieder zurück!
Wobei wir dann auch beim Thema wären. „Wenn der Sohn euch freimacht, werdet ihr wirklich frei sein.“ Diese Aussage Jesu in Joh. 8,36 war der rote Faden für diesen Tag und wurde in vielfältiger Weise sichtbar gemacht durch Zeugnisse, Predigten, Lieder und Anspiel. Leider habe ich versäumt, die Anzahl der Predigten zu notieren; an neun kann ich mich erinnern. Hauptrednerinnen sollten Gisela und ich sein; mein Mann sollte noch ein ermutigendes Schlusswort sagen. Doch wir waren eingebettet in einem Fluss von Ansprachen. Auch Elisabeth Vekas als Hauptverantwortliche konnte nicht verhindern, dass nach dem geplanten Schluss nochmals zwei Predigten von Pastoren gehalten wurden, eine davon fast 40 Minuten lang mit anschließendem Bekehrungsaufruf. Da war es dann nach 18.30 und somit keine Zeit mehr für das Gruppenfoto, auf das sich die Frauen wirklich gefreut hätten. Hier konnten wir nur still halten und uns sagen, andere Länder, andere Sitten.
Gisela hat über das Gleichnis vom ungerechten Richter und der bittenden und hartnäckigen Witwe in Lukas 18 gesprochen und dabei den Schwerpunkt auf die Wirkung des beharrlichen Gebetes gelegt. In eindrücklichen Zeugnissen von Gebetserhörungen, über die Gisela berichtete, konnten sich die Frauen gut wieder erkennen. Gerade den Zigeunern ist es bestens vertraut, ungerecht behandelt und von den Behörden immer wieder abgewiesen zu werden.
Ich hatte die Vorgabe, über unsere Freiheit in Christus in der Zukunft zu reden. In der Vorbereitung dazu wurde mir die Schilderung über die Steinigung von Stephanus sehr lebendig und ich füge einige kurze Gedanken aus meiner Predigt an, die ich unter dem Titel: „Leben unter einem offenen Himmel“ gehalten habe: „Die Menschen konnten Stephanus äußerlich fesseln, aber über seinen Geist, über sein Herz hatten sie keine Macht. Er sah den Himmel offen und Christus zur Rechten Gottes stehen. An dieser Stelle hat mich so verwundert, dass Stephanus nicht überrascht gewesen zu schien über den offenen Himmel, er wurde nicht sprachlos und gelähmt, sondern er hat reagiert wie ein Mensch, dem dieses Bild nicht fremd ist.
..Freiheit ist nicht etwas, was uns für eine ferne Zukunft verheißen ist, sondern Jesus will uns freimachen für das Leben auf dieser Erde.
..Freiheit ist ein Ausdruck einer Rechtsordnung und sagt aus, zu wem wir gehören. Es bedeutet, dass wir als vollberechtigte Mitglieder in einer Gemeinschaft stehen und das in einer Gemeinschaft der Liebenden, der Freunde! Wenn Jesus gesagt hat, er macht uns frei, dann heißt das, dass er uns als Familienmitglieder in das Reich seines Vaters hineinstellt und wir nicht mehr zu dem Fürsten dieser Welt gehören.
..Ich glaube, dass im Himmel der Wunsch nach Freiheit keine Rolle mehr spielen wird. Dort wird alles erfüllt sein von Liebe und Freude und Lobpreis. Freiheit wird der selbstverständliche Ausdruck unseres Daseins sein.
Ein Erlebnis war natürlich die Mittagspause. Zwei riesige Töpfe mit einem schmackhaften Krautgericht waren vorbereitet, dazu gab es Weißbrot, Zopf und Pulverkaffee. Ein Festessen für die Frauen, es blieb kein Reiskorn übrig. 350 benutzte Teller wurden gezählt. Die letzten Weißbrotreste stopften sich die Kinder der Straße, die das Ereignis am Rande interessiert verfolgten, dann noch in den Mund.
Ein Wermutstropfen war die eingeschränkte Möglichkeit zur Verständigung. Da wir nicht ungarisch sprechen, waren wir stets auf Übersetzung angewiesen und die wenigen, die dafür zur Verfügung standen, konnten nicht immer an unserer Seite sein. Aber ein Lächeln, ein gemeinsames Foto, ein Händedruck bleiben auch in Erinnerung. Es gab insgesamt 4 Plumpsklos und eine einzige Schüssel mit Wasser für alle. Dieses Wasser war zu Ende der Mittagspause ganz schwarz und wir konnten uns nicht mehr zum Händewaschen überwinden. Schon lange vor Ende der Mittagspause versammelten sich die Frauen wieder in der Kapelle zum gemeinsamen Singen. Das war ihre ganz persönliche Zeit miteinander, die nur ihnen gehörte.
Gisela und ich hatten als Gruß für die Frauen 300 schöne Karten von den Marburger Medien mitgebracht. Eingedruckt war das hohe Lied der Liebe und auf der Vorderseite ein süßes Schokoherz aufgeklebt. Es waren lebhafte schöne Momente, als diese Karten verteilt wurden. Aber dann bekamen wir durch Rückfragen mit, dass die Frauen das Herz gar nicht als Schokolade identifizieren konnten, es musste ihnen erst erklärt werden. Danach war die Freude umso größer und manche warfen uns dafür eine Kusshand zu.
Was bleibt als Fazit? Elisabeth Vekas hatte uns eingeladen mit den Worten: „ Kommt und seht, was der Herr hier in Rumänien unter dieser Volksgruppe tut und welch großen Anteil das deutsche Frauenwerk daran hat. Diese Arbeit darf nicht gestoppt werden!“ Wir haben es nun gesehen, wir wurden tief berührt und erkennen, dass wir hier eine Verantwortung auch für die Zukunft haben.
Wir bringen die Grüße von hunderten von Frauen, von vielen Gemeinden und den Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit mit an alle Frauen in unseren Gruppen und wir bitten auch Euch: Lasst Euch von diesen Berichten berühren und helft mit, dass wir diese Arbeit auch weiterhin unterstützen können.
Herzliche Grüße – Elisabeth Kapsreiter
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Ein weiterer Bericht von Gisela Bullermann »
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